Wie Menschen in der Schweiz sparen

Wie Menschen in der Schweiz sparen

Wir alle haben Träume. Damit aus den Träumen Pläne werden und aus den Plänen Realität, braucht es nicht nur Mut und Entschlossenheit, sondern auch ein finanzielles Polster. Mit der Pensionskasse und der 3. Säule sorgen Sie für Ihre aktuellen und zukünftigen Pläne vor – und profitieren zusätzlich von Steuervorteilen und Renditechancen.
Träume zu haben, ist für Menschen wichtig, wenn nicht gar überlebensnotwendig. Auch der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain stellte fest: «Trenne Dich nie von Deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst Du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.» Bestimmt haben auch Sie Träume für Ihre Zukunft. Um diese zu verwirklichen, brauchen Sie einen Plan. Und damit dieser so aufgeht, wie Sie es sich vorstellen, sind genügend finanzielle Ressourcen notwendig.

Sparen macht Sinn

Sie kommen nicht umhin, Geld beiseitezulegen. Für kurzfristige Ziele, aber auch für die Zeit, in der Sie so frei und unabhängig sein werden wie nie zuvor im Leben: die Zeit nach der Pensionierung. Die Pensionskasse (berufliche Vorsorge, 2. Säule) und die private Vorsorge (3. Säule) sind dafür verlässliche Partner.

1. Säule: Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) deckt im Alter das Existenzminimum. Damit Sie später die maximale AHV-Rente erhalten, müssen Sie Beitragslücken verhindern. Diese entstehen beispielsweise während des Studiums, Auslandaufenthalten oder längeren beruflichen Auszeiten. Fehlende AHV-Beiträge können innerhalb von fünf Jahren nachbezahlt werden.

2. Säule: Über 4,2 Millionen Personen sind aktiv in einer Pensionskasse versichert und vertrauen darauf, dass die Leistungen, die sie nach ihrer Pensionierung aus der beruflichen Vorsorge erhalten, es ihnen ermöglichen, den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Wenn Ihr Arbeitgeber höhere Arbeitgeberbeiträge bezahlt und Sie besser versichert, wirkt sich das entscheidend auf Ihre Möglichkeiten zu sparen und Ihre Rente aus. Ihr Altersguthaben aufstocken können Sie ausserdem, indem Sie im Fall von Vorsorgelücken freiwillig in die Pensionskasse einzahlen.

3. Säule: In der privaten Vorsorge sparen Sie freiwillig und können damit Vorsorgelücken in der AHV und der Pensionskasse schliessen. Die AHV und die berufliche Vorsorge zusammen haben das Ziel, dass Sie 60 Prozent des Salärs erhalten, das Sie vor der Pensionierung hatten. Da die Lebenserwartung steigt, wird die private Altersvorsorge immer wichtiger. Diese Tatsache wird unterschätzt: Bisher zahlen laut neuen Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) nur 59 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer regelmässig in die 3. Säule ein. Damit Sie sich auch im Alter Wünsche erfüllen und Extras leisten können, empfiehlt es sich, das Sparpotenzial auszuschöpfen und möglichst früh mit dem Vorsorgesparen 3a zu beginnen. Die Säule 3b (freie Vorsorge) umfasst das private Sparen (Lebensversicherung, Bankkonto, Aktien, Obligationen etc.).

Die Schweizerinnen und Schweizer sparen nicht gerne fürs Alter

Die Lust, auf langfristige Ziele zu sparen, ist bei den Schweizerinnen und Schweizern gering. Lieber geben sie ihr Geld aus, um heutige Bedürfnisse zu erfüllen, wie zu reisen, sich ein Auto anzuschaffen oder sich weiterzubilden. Dies zeigt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften («Das Entscheidungsverhalten in der privaten Altersvorsorge», ZHAW). Die Forscher stellten fest, dass über 40 Prozent der Deutschschweizerinnen und -schweizer sich zu wenig oder gar nicht um die private Altersvorsorge kümmern. Dabei wäre das Sparpotenzial der Schweizerinnen und Schweizer hoch: Laut dem Bundesamt für Statistik bleiben einem Haushalt durchschnittlich 18 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens (obligatorische Ausgaben sind abgezogen) zum Sparen übrig. Bei einem vom BFS errechneten durchschnittlichen Einkommen von 7'499 Schweizer Franken könnten also 1'410 Schweizer Franken beiseitegelegt werden. So viel sparen laut der ZHAW-Studie aber nur knapp 18 Prozent der Befragten.

Warum widerstrebt es uns, fürs Alter vorzusorgen? Als Gründe nennen die Forscher der ZHAW Trägheit, Abneigung gegen das Alter, Gegenwartspräferenz oder Angst vor der Komplexität der Vorsorgethemen. Diese Gründe führen dazu, dass nur 58,5 Prozent der Befragten ihr individuelles Vorsorgeziel erreichen. Dabei sind die Vorteile von Einzahlungen in die private und berufliche Vorsorge beachtlich.

Vorteile der privaten und beruflichen Vorsorge:

  • Was Sie in Ihrer Pensionskasse fürs Alter ansparen, vermehrt sich. Denn Ihre Pensionskasse legt das angesparte Altersguthaben ihrer Versicherten langfristig an. Die erwirtschaftete Anlagerendite erhalten Sie als Versicherte in Form von Zinsen und Zinseszinsen. Sie bekommen im Alter also deutlich mehr zurück, als Sie eingezahlt haben – je nach Wunsch als einmalige Kapitalzahlung oder als Rente, die bis ans Lebensende ausgezahlt wird.
  • Mit der Pensionskasse sind Sie und Ihre Angehörigen bei Schicksalsschlägen finanziell abgesichert. Im Fall Ihres Todes erhalten Ihre Hinterbliebenen Renten- und Kapitalleistungen. Sollten Sie durch Krankheit invalid werden, unterstützt die Pensionskasse Sie neben der Invalidenversicherung (IV) mit jährlichen Rentenleistungen.
  • Der Bund unterstützt die private Vorsorge, indem er sie steuerlich begünstigt. Wenn Sie in die Säule 3a einzahlen, sparen Sie jährlich Einkommenssteuer. Erwerbstätige, die einer Pensionskasse angehören, können pro Jahr maximal 6‘826 Schweizer Franken einzahlen, Selbstständigerwerbende ohne 2. Säule maximal 34'128 Schweizer Franken.
  • Wollen Sie Wohneigentum erwerben oder Ihr Haus renovieren? Ihre Pensionskasse und die Säule 3a ermöglichen es Ihnen. Was Sie in der privaten und beruflichen Vorsorge ansparen, können Sie für Wohneigentum vorbeziehen oder damit Ihre Hypothek amortisieren. Wenn Sie Ihr Altersguthaben verpfänden anstatt es zu beziehen, wird das angesparte Kapital steuerfrei verzinst und Sie haben weiterhin vollen Anspruch auf die Altersleistungen der Pensionskasse, vorausgesetzt, es wird vorab keine Pfandverwertung vorgenommen.
  • Um sich selbstständig zu machen, brauchen Sie Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Ihre Mut und oft auch Ihr Kapital – für das Büro, das Lager, die Entwicklung von Produkten oder das Marketing. Gleichzeitig müssen Sie ein finanzielles Polster haben, um Ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Um Ihren Traum von der Selbstständigkeit zu realisieren, können Sie in der Pensionskasse oder der Säule 3a und 3b angespartes Kapital vorbeziehen.

Wenn Sie in die private und die berufliche Vorsorge investieren, profitieren Sie also nicht erst im Alter, sondern in jeder Lebensphase. Hilfreich finden viele Sparerinnen und Sparer, dass die Gelder zweckgebunden sind: Sie dürfen nur für Wohneigentum, Selbstständigkeit im Haupterwerb oder Wegzug ins Ausland vorbezogen werden. Reto Spring, Präsident vom Finanzplaner Verband Schweiz (FPVS), empfiehlt in einem Interview mit der Handelszeitung, bei einem Bruttolohn von bis zu 100'000 Schweizer Franken 10 Prozent in die private Altersvorsorge einzuzahlen. Bei höheren Löhnen sei es sinnvoll, 20 Prozent dafür aufzuwenden.

Um Ihre aktuellen und zukünftigen Pläne realisieren zu können, ist es jedoch am wichtigsten, frühzeitig mit dem Sparen zu beginnen. Die verlorenen Jahre in der Säule 3a nachzuholen ist nicht möglich – Sie können immer nur für das aktuelle Jahr den maximalen abzugsfähigen 3a-Betrag einzahlen. Sparerinnen und Sparer, die früh zu sparen anfangen, profitieren ausserdem deutlich vom Zinseszinseffekt.

Sich über die Altersvorsorge Gedanken zu machen und entsprechend zu handeln lohnt sich also. Und es erlaubt Ihnen – ganz im Sinn von Mark Twain – sich nie von Ihren Träumen verabschieden zu müssen.

Wie unsere Kundinnen und Kunden jeden Alters profitieren

Leonie W. Alter 35: Selbstständigkeit dank Pensionskasse

Leonie W. hatte schon immer ihren eigenen Kopf. Gegen den Willen ihrer Eltern entschied sie sich, an der Fachhochschule Fotografie zu studieren. Nach vollendeter Ausbildung arbeitete sie einige Jahre bei einem Fotografen. Da sie grosses Potenzial in der Food-Fotografie sah und ihr damaliger Arbeitgeber diesen Bereich nicht abdeckte, entschied sie sich, ihre eigene Einzelfirma zu gründen.
Sie bezog ihr Vorsorgeguthaben aus der Pensionskasse und finanzierte damit Fotomaterial und ein Studio. Das Risiko hat sich ausgezahlt: Ihr Geschäft rentiert sich. Sie rechnet aus, dass sie die Lücke in ihrer Pensionskasse in zehn Jahren wieder füllen kann. Für Leonie W. ist das die Bestätigung, dass sie mit der Selbstständigkeit den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Reto M., Alter 44: Konsequent gespart ist halb gebaut

Reto M. hatte schon immer einen Herzenswunsch: Irgendwann wollte er in seinem eigenen Haus wohnen – in einem Haus mit Garten, in dem seine drei Jungs Fussball spielen können und seine Frau Hühner halten kann. Um den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, zahlten Reto M. und seine Frau konsequent in die Säule 3a ein.
Als Reto 43 Jahre alt wurde, war der Zeitpunkt gekommen. Das von Familie M. ausgesuchte Haus hat so viel Umschwung, dass seine Jungs rundherum um die Wette laufen können. Das Ersparte von Reto M. und seiner Frau reichte zwar nicht, um das Haus zu kaufen, aber dank des Vorbezugs aus der Säule 3a können Reto M. und seine Familie demnächst in ihr neues Zuhause einziehen. Die Hühner werden folgen, sobald Reto M. mit seinen Jungs den Stall gezimmert hat. Er freut sich schon jetzt auf sein tägliches Frühstücksei.

Serge O., Alter 68: Nach der Pension lockt die Freiheit

Kurz nachdem er seine Lehre als Schreiner beendet hatte, brach Serge O. mit seinem besten Freund zu einer Reise durch Australien auf. Um sich über Wasser zu halten, nahmen sie allerlei Jobs an. Sie übernachteten in billigen Herbergen oder unter freiem Himmel. «Das war die beste Zeit meines Lebens», erzählt Serge O. seiner späteren Frau und seinen Kindern immer wieder.
Für grosse Reisen blieb jedoch in den nächsten vierzig Jahren weder Zeit noch Geld. Serge O. musste seinen Wunsch, seiner Frau Australien zu zeigen, bis nach der Pension zurückstellen. Jetzt hat das Warten ein Ende: Vor Kurzem haben Serge O. und seine Frau den Buchladen um die Ecke nach Reiseliteratur durchforstet. Vieles scheint sich geändert zu haben, seit er als junger Mann in Australien war. Dank seinen Ersparnissen in der Säule 3a wird er den Änderungen vor Ort auf den Grund gehen können. Sein Freund von damals ist ebenfalls mit von der Partie.

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