«Rente oder Kapital?»: die Glücksfrage von Kurt und Franziska

«Rente oder Kapital?»: die Glücksfrage von Kurt und Franziska

Franziska und Kurt Meyer werden bald pensioniert und möchten sich auf ihren Ruhestand vorbereiten. Ihre Freunde geben ihnen viele Tipps: Doch wie wertvoll sind diese? Wir stellen drei Ratschläge von Freunden auf den Prüfstand.

Franziska Meyer freut sich auf ihre Pensionierung. Endlich kann sie mit ihrem Mann auf Reisen gehen und sich fast vergessene Träume erfüllen. Zum Glück wird ihr Mann Kurt fast gleichzeitig mit ihr pensioniert. Zurzeit überlegen sie sich, ob sie ihr Altersguthaben beziehen oder sich eine Rente auszahlen lassen sollen. Dieser Entscheid fällt ihnen schwerer als gedacht: Wie können wir sicher sein, dass das Geld unser Leben lang reicht? Franziska und Kurt fühlen sich unsicher, deshalb fragen sie ihre Freunde um Rat.

1. Eine Rente für Frauen, Kapitalbezug für Männer?

Ratschlag: Ihre Freunde raten Franziska, auf jeden Fall eine Rente zu beziehen. Sie weisen darauf hin, dass sich dies für Frauen bei jedem Umwandlungssatz lohne, weil Frauen meistens älter werden als Männer. Kurt hingegen wird empfohlen, das Kapital zu beziehen, weil er so viel verdient und angespart hat.

Franziska und Kurt: Den Rat ihrer Freunde nehmen Franziska und Kurt sich zu Herzen, doch ihr Bauchgefühl stimmt nicht mit dem Rat überein: Franziska wurde in den letzten drei Jahren schon zweimal an ihren Herzklappen operiert. Seit beim zweiten Eingriff eine neue Herzklappe eingesetzt wurde, fühlt sie sich zwar gut, allerdings ist sie nicht annähernd so fit wie vor fünf Jahren. Kurt hingegen ist kerngesund und fühlt sich topfit. Dies scheint in der Familie zu liegen: Sein Vater ist heute 96 Jahre alt! Würde sein Kapital überhaupt bis zu diesem Alter reichen?

Unser Hinweis: Vorsorgeausweis genau und richtig lesen

Für Frauen ist eine Rente oftmals besser als für Männer. Beim Erreichen ihres Pensionsalters von 64 Jahren beträgt ihre Lebenserwartung etwa 23,5 Jahre; bei Männern sind es laut dem Bundesamt für Statistik rund 19,5 Jahre. Doch neben diesem Fakt gibt es Weiteres zu beachten: Was bedeutet ein guter Gesundheitszustand und was hat er mit der Lebenserwartung zu tun? Die letzten Lebensjahre sind oft die teuersten. Die Kosten von Langzeitpflege zu Hause oder in einem Pflegeheim werden nicht in jedem Fall vollständig von der Krankenkasse getragen. Wer sichergehen will, dass das Ersparte nicht für die persönliche Alterspflege aufgebraucht wird, sollte die Plansicherheit einer Rente vorziehen.

Zudem hängt der Entscheid auch von anderen Einkommensquellen wie Immobilien, Lebens- und Leibrentenversicherungen, Auszahlungsplänen und von der Höhe des Alterskapitals ab. Umso wichtiger ist es, den Vorsorgeausweis richtig zu lesen und das Reglement der Pensionskasse zu konsultieren. Der Vorsorgeausweis verfügt über wertvolle Informationen, die sehr nützlich sind: Umwandlungssatz, Altersrente nach der Pensionierung sowie Höhe des Alterskapitals.

2. Lohnt es sich überhaupt, bei einem tiefen Umwandlungssatz eine Rente zu beziehen?

Ratschlag: Ihre Freunde warnen davor, dass es sich nicht lohne, bei einem tiefen Umwandlungssatz eine Rente zu beziehen. Sie behaupten, dass heutzutage kein Umwandlungssatz hoch genug sein könne, um seinem Altersguthaben in Form einer Rente gerecht zu werden.

Franziska und Kurt möchten auf keinen Fall, dass ihre beiden Kinder zur Kasse gebeten werden, wenn sie im hohen Alter pflegebedürftig sind. Gleichzeitig wünschen sie sich etwas finanzielle Freiheit, um ihren Ruhestand so zu gestalten, wie sie es gerne wollen. Sollten Kurt und Franziska nun eher Fakten wie zum Beispiel den Umwandlungssatz als Grundlage für ihren Entscheid heranziehen oder ist es besser, wenn sie sich auf ihre Träume konzentrieren?

Unser Hinweis: Plansicherheit ist am wichtigsten

Pauschal lässt sich sagen: Je tiefer der Umwandlungssatz, desto eher lohnt sich der Kapitalbezug. Allerdings spielen die weiteren Faktoren auch eine wichtige Rolle, so zum Beispiel die Wohnsituation. Kurt und Franziska wohnen in einem Haus, das ihnen gehört. Wichtig ist, dass sie rechtzeitig sicherstellen, dass die Hypothek auch nach der Pensionierung für sie noch tragbar ist. Es kommt oft vor, dass Banken die Hypothekarlast senken wollen, weil das Renteneinkommen niedriger ausfällt als der frühere Lohn. Zudem möchten viele ihre Immobilie bereits zu Lebzeiten an ihre Kinder übertragen, jedoch mit Wohnrecht möglichst lange in ihrem vertrauten Heim wohnen bleiben. Um diese beiden Wünsche unter einen Hut zu bringen, ist es wichtig, sich noch vor der Pensionierung über die beiden Optionen «Verkaufen» oder «Vererben» zu informieren. Dabei dürfen Kurt und Franziska die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass das Eigenkapital gebunden ist, solange man in der Liegenschaft wohnt. Legen Sie genügend freies Vermögen auf die Seite, um sich auch noch andere Träume zu erfüllen. Auch ein Verkauf sollte frühzeitig geplant werden. Grundsätzlich ist die Plansicherheit einer Rente vorzuziehen. Doch ein Teilkapitalbezug kann tatsächlich vorteilhaft sein, wenn eine Hypothek zurückbezahlt werden muss.

3. Kurt versteht viel vom Geldanlegen, fährt er mit einem Kapitalbezug besser?

Ratschlag: Kurt ist fit und ein Schnelldenker, zudem versteht er einiges vom Geldanlegen. In den vergangenen Jahren hat er immer wieder mit guten Aktienkäufen Gewinne erzielen können. Deshalb raten ihm seine Freunde, das Kapital zu beziehen: Denn wer etwas vom Geldanlegen versteht, kann auf seinem Kapital bestenfalls eine gute Rendite erwirtschaften.

Kurt und Franziska: Die Gedanken von Kurt und Franziska drehen sich im Kreis – sie haben viele offene Fragen. Wie wahrscheinlich ist es, mit ihren Anlagekenntnissen tatsächlich eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften? Wie lange wird Kurt fit genug sein, um selbstständig Anlagen tätigen zu können? Wie lange werden die Kinder von ihnen abhängig sein? Überdies wissen sie gar nicht so recht, wie sie ihren Lebensabend verbringen möchten: Manchmal träumen sie vom Nichtstun, dann wieder packt sie die Abenteuerlust.

Unser Hinweis: Auch der Bauch soll mitbestimmen

Für manche Menschen kann sich ein Kapitalbezug tatsächlich lohnen. Besonders, wenn sie alleinstehend sind und Kinder haben. Wer auch noch etwas vom Geldanlegen versteht und ein glückliches Händchen hat, kann sogar eine gute Rendite erzielen. Wer hingegen verheiratet ist, sich für Geldthemen nicht gross interessiert und kerngesund ist, der fährt mit einer Rente besser. Einer Sache muss er sich jedoch bewusst sein: Wenn die versicherte Person stirbt, bekommt zwar der überlebende Partner die Rente – normalerweise 60 Prozent – doch erwachsene Kinder gehen in der Regel leer aus.

Letztlich ist der Entscheid, wie das Pensionskassenguthaben bezogen wird, etwas ganz Persönliches und dabei sind Lebensplanung wie auch Bauchgefühl sehr wichtig. Viele freuen sich auf eine aufregende Zukunft, auf Neues und Abenteuerliches, sind offen für Risiken und tragen gerne die Verantwortung dafür. Andere haben genug erlebt, schon die ganze Welt gesehen, freuen sich auf Seelenruhe im Garten, Wanderungen in den Bergen, auf den Sonntagsbraten mit Kindern und Enkeln und möchten vor allem eines nicht mehr: über Geld nachdenken. Für sie passt ein sicheres Einkommen, und zwar für ein ganzes Leben lang – ohne Wenn und Aber.

Was ist nun richtig? Sich kompetent beraten lassen

Es ist klug von Franziska und Kurt, dass sie sich vor der Pensionierung Gedanken machen, wie sie ihr Pensionskassenguthaben beziehen möchten. Für viele Paare ist es die beste Variante, einen grösseren Teil des gemeinsamen Guthabens als Rente zu beziehen und sich das restliche Kapital auszahlen zu lassen. Mit der Rente wird ein gewünschtes Einkommen abgesichert und mit dem frei verfügbaren Guthaben können lang gehegte Wünsche erfüllt werden. Den Entscheid über Rente oder Kapital sollte man jedoch nicht mit Freunden treffen. Freunde sprechen zwar aus dem Herzen, aber auch aus eigener Erfahrung. Sie bringen ihre eigenen Wünsche und Ängste ein – das kann das Urteil verfälschen. Ein unabhängiger Experte betrachtet das Thema sachlicher und kann einen neutralen Ratschlag geben. Doch letztlich muss der Entscheid für den Rentner stimmen: Die Pensionierung ist und bleibt eine sehr persönliche und individuelle Sache.