Auf Vertrauen gebaut: Wie die Donatsch + Partner AG ihre Nachfolge regelt

Auf Vertrauen gebaut: Wie die Donatsch + Partner AG ihre Nachfolge regelt

Versicherungsexperten raten Unternehmerinnen und Unternehmern, zehn Jahre vor ihrer Pensionierung mit der Nachfolgeplanung zu beginnen. Für die Familie Donatsch ist das zu früh: Doch wie lange werden sie noch warten? Wir fragen die Familie.
1994 übernahm Georg Donatsch das Ingenieur- und Vermessungsbüro Donatsch Ingenieure AG seines Vaters und führt es seither. Zwölf Jahre später übernahm er zusätzlich das gesamte Aktienpaket und die Leitung von Lutz Schmid Ingenieure AG und leitet seit 2015 beide Firmen unter dem Namen Donatsch + Partner AG an den Standorten Landquart, Poschiavo und Bad Ragaz. Es begann als kleiner Familienbetrieb, doch mittlerweile arbeiten über 40 Mitarbeitende für das innovative Ingenieurunternehmen, das bereits mehr als 100 Lehrlinge ausgebildet hat. Dennoch: Die Donatsch + Partner AG wird in der Familie bleiben, das ist in Stein gemeisselt.

In zehn Jahren steht die Pensionierung an

Georg und Regula Donatsch sind die Führungspersonen der Donatsch + Partner AG. Beide arbeiten schon seit Jahren mit Herzblut für ihr Unternehmen. Mit zwei Töchtern und drei Söhnen blieb den beiden nur wenig Freizeit und auch gemeinsame Ferien waren eine Seltenheit. Da freut man sich doch bestimmt auf den Ruhestand: mehr Zeit für Berg-, Bike- und Skitouren, für Hobbys und für einander. Das gilt nicht für Georg und Regula Donatsch: Mit 50 lebt Regula Donatsch nach dem Motto: «Ich fühle mich noch sehr jung, geniesse das Leben und die Pensionierung betrifft mich noch lange nicht.» Sie müsse eventuell noch 20 Jahre lang arbeiten, was sie auch akzeptiert. Auch Georg Donatsch stellt die Bedürfnisse des Unternehmens vor seine eigenen: «Ich denke erst dann an meine Pension, wenn ich die Nachfolge geregelt habe.»

Am Familientisch ist die Nachfolge ein grosses Thema

Einerseits ist bei Familie Donatsch das Thema Nachfolge sehr präsent, andererseits liegt es noch in weiter Ferne. «Die Nachfolge und das Geschäft allgemein sind schon seit eh und je ein Thema am Familientisch», erklärt Regula Donatsch. Die Kinder waren schon von klein auf stark im Unternehmen involviert, sie haben bereits während der Schulzeit viel geholfen, sei es zu Hause oder als Messgehilfen in der Firma. Viele Mitarbeiter kennen sie seit der Kindheit. «Gian hat schon bei der Konfirmation festgehalten, dass er die Bude übernehmen will», wirft Georg Donatsch lachend ein. Auch für die Geschwister ist klar, dass die beiden Söhne Gian (21) und Nico (23) den Betrieb übernehmen werden. Dennoch: Konkrete Pläne werden noch keine geschmiedet. «Beide beginnen gerade erst mit dem Studium, das kann also noch eine Weile dauern», erklärt Georg. «Wir wollen keinen Druck ausüben, um die Nachfolge zu regeln.» Regula Donatsch äussert sich etwas konkreter: «Bis jetzt waren die beiden «Luusbueba», doch jetzt werden sie langsam zu Männern. Dann schauen wir weiter.»

Söhne bereiten sich gut auf die Nachfolge vor

Gian hat schon während seiner Lehre als Geomatiker gemerkt, dass der Beruf passt: «Für mich ist es bereits lange klar, dass ich das Unternehmen übernehmen will. Ich habe auch schon oft mit meinem Bruder darüber geredet und es ist für uns beide ganz eindeutig, dass wir das wollen.» Gian und Nico möchten den Familienbetrieb, der Arbeitsplätze und Wertschöpfung in ihrer Region schafft, innerhalb ihrer Familie weiterführen. Sie möchten verhindern, dass Arbeitsplätze zentralisiert oder ins Ausland verlagert werden. Auf diese Zukunft ausgerichtet, studieren die beiden jungen Männer Geomatik und Bauingenieurwesen. Betriebswirtschaft wollte keiner studieren. «Grossvater sagt, Betriebsführung habe man im Blut, das müsse man nicht studieren», äussert sich Gian selbstbewusst zu dieser Frage.

Aktien werden noch nicht übertragen

Die Söhne bereiten sich mit ihrer Studienwahl zwar gut vor, allerdings werden noch keine Aktien übertragen. Denn dann wäre der Entscheid schon gefällt, so die Eltern, und dafür sei es noch zu früh. Zuerst einmal müssen sie den Anforderungen eines Studiums standhalten und schauen, ob es ihnen entspricht. «Das ist nicht selbstverständlich, denn die Buben sind ziemliche Lebemenschen», sagt Regula Donatsch über ihre beiden Söhne. Ausserdem müssten alle fünf Geschwister die gleiche Chance haben, die jüngste Tochter sei noch im Gymnasium und wisse noch nicht genau, inwiefern sie am Unternehmen interessiert sei. Letztendlich würden sie die Aktien mit Sicherheit übergeben. Aber die Fragen Wer, Wann, Wie und Was sind noch offen.

Ab wann soll man mit der Nachfolgeplanung beginnen?

Auf den ersten Blick scheint die Familie Donatsch sehr locker mit dem Thema umzugehen. Kommt Zeit, kommt Rat, so lautet ihre Devise und ihre Nachfolge wird auf Vertrauensbasis geregelt. Aus Expertensicht eine Knacknuss? Selbstverständlich sind sich Versicherungsexperten einig, dass man grundsätzlich nicht früh genug mit der Nachfolge beginnen kann. Denn sie sehen es als ihren Auftrag, ihre Kunden rechtzeitig auf Risiken aufmerksam zu machen und ihnen zu zeigen, mit welchen Massnahmen sie auf diese Einfluss nehmen können. Doch eine goldene Regel, zu welchem Zeitpunkt die Nachfolge beginnen muss, gibt es nicht. Unser Zurich-Experte beurteilt die Nachfolgeregelung des Unternehmens, das er betreut, ganz entspannt. Wichtig sei, dass Unternehmen nicht ihre ganze Existenz von der Firmenübergabe abhängig machten.

Die grössten Fehler bei der Nachfolgeplanung

Der grösste Fehler, den viele Eigentümer von KMU begehen, ist, dass sie ihr gesamtes Geld immer wieder in ihr Unternehmen, zum Beispiel in Maschinen, investieren und ihre persönliche Altersvorsorge massiv vernachlässigen. «Unternehmer, die selbst auf dem BVG-Minimum sind, müssen sehr viel aus dem Verkaufspreis herausholen.» Das berge grosse Risiken in sich: Viele Unternehmerinnen und Unternehmer denken, dass sie am Schluss noch viel Geld machen würden, aber oft trüge der Schein. Es ist nicht immer so einfach, einen Käufer für sein Business zu finden, das Problem wird leider allzu oft unterschätzt. Oft käme es auch vor, dass Unternehmerinnen und Unternehmer alle Karten auf eine junge Person setzen und wenn diese Person einen Rückzieher mache, dann bleibe ihnen nichts anderes übrig, als weiterzuarbeiten bis sie eine neue Lösung gefunden haben. Bei Donatsch + Partner bestehen diese Gefahren jedoch nicht, denn sie sind heute schon optimal aufgestellt.

Die Nachfolgeregelung beginnt mit dem Vorsorgeplan

Wenn Georg Donatsch über seinen Ruhestand sagt, die Nachfolge sei wichtiger als seine Pension, dann bezieht er sich auf seinen Rückzug aus der Firma und nicht auf seine finanzielle Situation. Denn um eine gute Vorsorge für sich und seine Mitarbeitenden hat er sich bereits gekümmert. Er und seine Frau haben sich vor zwei Jahren intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und viele Pensionskassen miteinander verglichen: Entschieden haben sie sich im Januar 2018 für das Vita-Modell. Gleichzeitig haben sie auch eine Personalorientierung zum Thema BVG veranlasst, somit wurde schon vieles zum Thema Altersvorsorge und Sicherheit im Voraus gesteuert. Auch in anderen Bereichen denken Regula und Georg voraus. «Wenn die Bude zu schwer ist, kannst du sie nicht übergeben», teilt Georg Donatsch seine Gedanken mit und erklärt, dass heute schon weitere Immobilien ausserhalb des Unternehmens stünden und er eine Holding gegründet habe. Das bedeutet, dass die AG ziemlich leicht unterwegs ist und die Liegenschaften gut auf die fünf Kinder aufgeteilt werden können, ohne dass die Firma davon betroffen ist.

Nachfolgeregelung der Donatsch + Partner AG basiert auf Vertrauen

Für die konkrete Nachfolgeplanung hat die Familie Donatsch noch keinen Berater eingeschaltet. Zurzeit bildet das Vertrauen innerhalb der Familie und innerhalb der Geschäftsleitung die Basis für ihre Firmenübergabe. «Es gibt kein besseres Fundament als ein ehrliches und transparentes Verhältnis zu Familie und Geschäftskollegen. Sogar, wenn die Söhne ihre Meinung ändern würden, hätten wir beide eine andere Lösung im Hinterkopf.» Auch mit den Mitarbeitenden wird offen geredet und sie hätten ein gutes Gefühl, wenn Gian und Nico das Unternehmen übernehmen würden. Wie es aber ausgestaltet werde, sei noch nicht ganz sicher. Denn die Firma sei enorm gewachsen, vielleicht müsse ein ganz neues Gerüst konzipiert werden. Zurzeit sei es einfach wichtig, dass immer offen und ehrlich miteinander gesprochen werde – am Familientisch, im Kaffeeraum und im Sitzungszimmer.

Einen guten Berater oder enormes Glück: Eines von beiden muss man schon haben

Obwohl Georg Donatsch ein Do-it-yourself-Mann ist und sich nicht zu jedem Thema von einem Experten beraten lassen will, räumt er ein, dass Versicherungsexperten schon sehr wertvoll sein können. «Wer seine eigene Vorsorge nicht regelt und seine finanziellen Risiken nicht im Griff hat, bewegt sich auf dünnem Eis.» Denn wenn er sich nicht im Jahr 2006, als er die Leitung von Lutz Schmid Ingenieure AG übernahm, auf Anraten hin selbst bei der Firma angestellt hätte und somit gegen Schicksalsschläge versichert war, wären die finanziellen Folgen seines vier Jahre später eingetretenen Hirnschlages massiv gewesen. Er fiel ein halbes Jahr aus und Regula, seine Frau, musste alle Aufgaben übernehmen. Vor diesem Ereignis war die Einstellung von Georg Donatsch ganz klar, dass er weder Pensionskasse noch eine Vorsorgeplanung brauche. «Ich schaue dann, wenn ich 65 bin», pflegte er zu sagen. «Doch wir hätten wirklich Pech gehabt, wenn ich mich vorher nicht beim Unternehmen angestellt hätte, wo dann mein Lohn gegen Unfall und Krankheit sowie für die berufliche Vorsorge versichert war. Das hatte mir ein Versicherungsheini eingeredet. Heute bin ich ihm dankbar dafür.»

Tipp

Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer sich mit der Nachfolgeregelung noch etwas Zeit lassen möchten, ist es empfehlenswert, zumindest die eigene Altersvorsorge sicherzustellen und finanzielle Risiken wie Todesfall und Erwerbsunfähigkeit abzudecken.

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