Flexwork – so gelingt’s

Flexwork – so gelingt’s

Flexibles Arbeiten hat viele Vorteile für die Mitarbeitenden, aber auch fürs Unternehmen. Wer dies gezielt nutzen will, ohne in die «Flexwork-Falle» zu tappen, kann von den folgenden fünf Tipps profitieren.

Der Mensch ist das Mass

Die grösste Stärke von örtlich und zeitlich flexiblem Arbeiten: Die Arbeitsbedingungen passen sich den Lebensumständen der Mitarbeitenden an – und nicht umgekehrt. Das sorgt für eine bessere Vereinbarkeit mit anderen Lebensthemen, seien es Kinder, betagte Eltern, eine Ausbildung oder eine nebenberufliche Selbstständigkeit. Damit dieser Spagat gelingt, müssen Arbeitgebende und Arbeitnehmende vorher die Rahmenbedingungen festlegen: Ist der Aufgabenumfang im gewählten Modell machbar? Für welche Aufgaben braucht es zwingend eine Anwesenheit vor Ort? Wie ist die Stellvertretung geregelt? Nicht alles lässt sich theoretisch klären, manchmal muss man es einfach ausprobieren – und sich regelmässig dazu austauschen.

Präsent bleiben – miteinander reden

«Regelmässiges Sprechen» ist auch die Lösung, um eine klassische Falle von Teilzeitarbeit oder Homeoffice zu umgehen: Die Person ist weniger präsent am Arbeitsort – und wird deshalb vielleicht bei interessanten Projekten, Arbeitsbeurteilungen oder sogar Beförderungen nicht berücksichtigt. Dabei ist die Arbeitsleistung der Flexwork-Kraft nicht schlechter. Im Gegenteil, das Modell kann sogar zu mehr Fokus und Kreativität führen. Das bestätigt auch eine Studie der Fachhochschule Wien aus dem Jahr 2016: Demnach nimmt die Mehrheit der Führungskräfte keinen Leistungsunterschied zwischen Vollzeit- und Teilzeitmitarbeitenden wahr. Von denen, die Unterschiede sehen, halten 80 Prozent die Teilzeitleute für effizienter. Es lohnt sich also, Flexwork-Mitarbeitende weiterhin zu fördern und zu fordern: mit spannenden Aufgaben und regelmässigen Feedback-Gesprächen.

Die Mehrheit der Führungskräfte nimmt keinen Leistungsunterschied zwischen Vollzeit- und Teilzeitmitarbeitenden wahr.


Fachhochschule Wien, 2016

Damit die Rente trotz Flexwork reicht

Flexwork-Modelle mit reduzierter Arbeitszeit führen nicht nur zu Lohneinbussen, sondern auch zu Lücken in der beruflichen Vorsorge, weil dort entsprechend weniger eingezahlt wird. Dieses Thema lässt sich teilweise entschärfen durch geschickte Pensionskassenlösungen. Auch mit gezielter privater Vorsorge, zum Beispiel in den Säulen 3a und 3b, lassen sich Renteneinbussen verringern. Übrigens: Flexwork-freundliche Modelle in der beruflichen Vorsorge können bei Vorstellungsgesprächen ein starkes Argument sein, sich für ein bestimmtes Unternehmen zu entscheiden.

Führung anpassen – Vertrauen schenken

Egal, um welches Modell es geht: Flexwork führt unweigerlich dazu, dass der Mitarbeitende mehr Verantwortung übernimmt und der Vorgesetzte ein Stück Kontrolle abgeben muss. Denn im Homeoffice kann er seinem Mitarbeitenden nicht ständig über die Schulter oder in den Bildschirm schauen. Deshalb braucht es für flexible Arbeitsmodelle ein gesundes Vertrauensverhältnis. Tatsächlich wissen die meisten das Entgegenkommen des Unternehmens sehr wohl zu schätzen – und danken es mit besonderem Engagement und persönlicher Flexibilität.

Männer: das Teilzeit-Tabu

Während Flexwork bei Frauen – insbesondere Teilzeit in der Familienphase – fast schon Standard ist, kämpfen Flexwork-willige Männer oft noch gegen Vorbehalte. Viele würden gerne ihr Pensum reduzieren oder einen Tag von daheim arbeiten, fürchten aber berufliche Nachteile und vielleicht auch den Spott der Kollegen. Moderne Arbeitgebende können dem entgegenwirken, indem sie Flexwork zum Thema machen oder gar selbst flexibles Arbeiten vorleben.