Die Weichen für die Zukunft stellen

Foto Sepp Schmid und Raffael Schmid, Schmid Fenster Manufaktur - Nachfolgeregelung

Die Weichen für die Zukunft stellen

Ein Unternehmen aufzubauen, ist das eine. Die Nachfolge zu regeln, das andere. Für beides braucht es genügend Zeit und gute Partner. Ein Versicherer kann in dieser Phase gute Dienste leisten. Das Beispiel eines geglückten Stabwechsels.
Die Schmid Fenster Manufaktur AG ist ein klassisches Familienunternehmen. Seit 1946 konzentriert sich das Unternehmen aus Teufen in Appenzell Ausserrhoden auf den Bau von Spezialfenstern aus Holz. «Holzfenster sind Schmids Liebe», lautet das Motto – und dies ist nicht übertrieben. Das KMU zeichnet sich durch seine handwerkliche Fertigungstechnik und seine denkmalpflegerische Fachkompetenz aus.

Seit dem Jahre 2014 wird Schmid Fenster in dritter Generation geführt. Dass Raffael Schmid dem Unternehmen einmal vorstehen würde, war aber nicht immer so klar. Für seinen Vater, Sepp Schmid, war eine Übergabe an seine vier Kinder kein Thema. Viel wichtiger war ihm, dass seine Töchter und Söhne ihren eigenen Weg einschlagen. Sie sollten einen Beruf erlernen, der ihnen Spass bereitet. «Wenn es Zeit ist, verkaufe ich die Firma», sagte er sich.

Sepp Schmid hielt 40 Jahre lang die Zügel in der Hand, war erfolgreich, etablierte das Unternehmen. Dann liess ihn sein Sohn Raffael eines Tages wissen, eine Schreinerlehre machen zu wollen. «Plötzlich eröffnete sich eine Möglichkeit, von der ich nicht zu träumen gewagt hatte», erinnert sich der Patron.

Ganz wichtig ist, bei der Übergabe den Weg einzuschlagen, dem man innerlich vertraut.


Sepp Schmid

Bereits mit 50 Jahren die Nachfolge planen

88 Prozent aller kleineren und mittleren Betriebe in der Schweiz sind in Familienhand. Ein Grossteil der Firmeninhabenden würde das Unternehmen am liebsten den Nachkommen übergeben. Diese sind aber immer weniger dazu bereit. Laut Bisnode D&B, einem Wirtschaftsinformationsdienstleister im Bereich Business-to-Business, rückt in der Schweiz nur gerade einmal 41 Prozent der Firmen der familiäre Nachwuchs nach. In 40 Prozent der Fälle übernehmen Mitarbeitende das Unternehmen – bezeichnet als Management-Buy-out –, in 19 Prozent der Fälle kommt es zu einer externen Lösung.

Unabhängig davon, welche Lösung man wählt: «Die Nachfolgeplanung ist ein sehr persönliches Thema und deshalb ist das Vertrauen zum Berater das A und O», sagt Werner Wüthrich, Geschäftsführer der Sammelstiftung Vita. «Wir raten Unternehmerinnen und Unternehmern, sich bereits im Alter von 50 Jahren mit dem Thema zu befassen.»

Das ist oft einfacher gesagt als getan. Das weiss auch Werner Wüthrich: «Mit 50 sind die meisten noch voll im Saft und wollen nichts von Nachfolgeplanung wissen», und er fügt an: «Das kann ich nachvollziehen.» Andererseits drehe sich die Frage nicht nur darum, wer später einmal dem Unternehmen vorsteht. Es gelte auch, die finanziellen und steuerlichen Folgen einer Firmenübergabe zu prüfen und sich mit der beruflichen wie auch privaten Altersvorsorge (zweite und dritte Säule) auseinanderzusetzen.

Schliesslich darf laut Wüthrich auch eine dritte Komponente nicht vergessen werden: Stellt ein Unternehmen den Betrieb ein, gehen Wissen, Arbeitsplätze und auch Steuereinnahmen verloren. «Die gute Vorbereitung – in jeder Hinsicht – wird es Geschäftsinhabern erleichtern, mit 65 respektive 64 Jahren die Firma mit einem guten Gefühl ihren Nachfolgern zu überschreiben», betont Wüthrich.

Auch für den Sohn galt: von der Pike auf lernen

Sepp Schmid hatte mit seiner Nachfolgeplanung mit 60 Jahren begonnen – eher spät. Die eigentliche Übergabe verlief wenig spektakulär. «Wir führten Gespräche mit unserem Treuhänder und den Banken. Man kannte uns – dies erleichterte vieles», resümiert Raffael, der neue Chef. «Das Anspruchsvollste war die Kommunikation innerhalb der Familie», betont Sepp.

Bevor der Junior die Firma übernahm, absolvierte er extern eine Lehre. Mit 23 begann er schliesslich, als Servicemonteur in der Firma des Vaters zu arbeiten, danach durchlief er verschiedene Stationen. Sein Vater hält fest: «Für mich war klar: Mein Sohn muss ganz unten beginnen. Nur so lernt er Handwerk und Betrieb von Grund auf kennen.»

«Manchmal hätte ich alles hinschmeissen können»

Vater und Sohn führten die Schmid Fenster Manufaktur AG während längerer Zeit gemeinsam. Das war nicht immer frei von Konflikten. «Ab und zu hätte ich am liebsten alles hingeschmissen. Als Junior im elterlichen Betrieb – das ist nicht einfach. Ich wurde mit Argusaugen beobachtet», erinnert sich Raffael Schmid. Sein Vater gesteht: «Ich habe ihm früh Verantwortung übertragen, damit er lernt, mit ihr umzugehen. Selbstverständlich habe ich ihn auch auf die Probe gestellt, denn ich kannte seinen jugendlichen Übermut.» Als für beide klar war, dass eine familieninterne Nachfolge funktioniert, konnte der Vater loslassen und rückte ins zweite Glied. Heute ist er sogar der Meinung, sein Sohn Raffael sei der bessere Chef: «Er verfügt über mehr Mut zur Veränderung.»

So optimieren Sie die berufliche Vorsorge

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer investieren einen Grossteil ihres Geldes in ihre Firma: in der Anfangsphase, um die Firma zum Laufen zu bringen, und später, weil das eigene Unternehmen eine gute Anlage ist. Viel Vermögen kann so zwar kaum aufgebaut werden, doch das Unternehmen wird zum wichtigsten Baustein der Altersvorsorge. Äufnen Unternehmerinnen und Unternehmer nicht rechtzeitig privates Vermögen, sind sie darauf angewiesen, ihre Firma zum Zeitpunkt ihrer Pensionierung zu einem guten Preis zu verkaufen – mit diversen finanziellen und steuerlichen Risiken.

Wie bilden Unternehmerinnen oder Unternehmer Vermögen, damit sie auch nach der Pensionierung ihren gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten können?

Unser Tipp: Nutzen Sie die Möglichkeiten, die die erste und die zweite Säule bieten.

  1. Art des Lohnbezugs: Als Firmenchefin oder -chef können Sie die Höhe Ihrer Einkünfte selbst bestimmen und entscheiden, welcher Anteil als Lohn und welcher als Dividende ausgezahlt wird. Dividenden sind steuerlich von Vorteil. Ist der Lohn jedoch niedrig, fallen auch die AHV-Rente und das Guthaben in der Pensionskasse geringer aus. Sich in die Pensionskasse einzukaufen – eine beliebte Möglichkeit, um Steuern zu sparen –, ist nur beschränkt möglich, wenn Dividenden ausgezahlt werden. Das optimale Verhältnis zwischen Lohnzahlung und Dividendenausschüttung lässt sich am besten mit einem Treuhänder oder Steuerberater ermitteln.
  2. Guter Vorsorgeplan: Versichern Sie sich und Ihre Kaderangestellten bei Ihrer Pensionskasse über das Obligatorium hinaus. Dies ist bis zu einem Jahreslohn von 853’200 Schweizer Franken möglich. Auf diese Weise können Sie zusätzliches Vorsorgevermögen aufbauen und die Steuerlast reduzieren. Am besten planen Sie Ihre überobligatorische Vorsorge für einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren. Allenfalls ist es auch sinnvoll, die Finanzierung anzupassen, denn so wird der Beitrag der Firma grösser und trägt vermehrt zum Aufbau der Guthaben bei.
  3. Einkäufe in eine Pensionskasse: Wenn Sie sich freiwillig in eine Pensionskasse einkaufen, verbessern Sie Ihre Altersleistungen und können davon auch steuerlich profitieren.

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