Vorsorge: Sieben Fachbegriffe einfach erklärt

Vorsorge: Sieben Fachbegriffe einfach erklärt

Die Welt der beruflichen Vorsorge ist voller Fachbegriffe. Vieles hat man schon gehört, aber kaum jemand weiss genau, was sie bedeuten. Eine Basis-Erklärung für Einsteiger.

BVG-Umwandlungssatz

Lust auf Torte? Das Altersguthaben in der beruflichen Vorsorge (Pensionskasse) kann mit einem Kuchen verglichen werden. Der Umwandlungssatz legt fest, wie gross die Kuchenstücke sind, die wir jährlich abschneiden dürfen. Je tiefer der Umwandlungssatz, desto kleiner sind die Kuchenstücke. Und bei kleineren Stücken reicht der Kuchen entsprechend länger.

Zurzeit beträgt der gesetzliche Umwandlungssatz für den obligatorischen BVG-Teil 6,8 Prozent. Das bedeutet, dass der Kuchen nach rund 15 Jahren aufgegessen ist. Für eine lange Zeit ist diese Rechnung gut aufgegangen, denn 15 Jahre war die durchschnittliche Lebensdauer nach der Pensionierung. Doch heute sieht das anders aus: Konnte ein Mann 1960 damit rechnen, seinen Ruhestand 13 Jahre lang geniessen zu können, sind es heute bereits 20 Jahre. Weil heute viele länger leben und entsprechend länger vom Kuchen essen, müssen aktuell die jüngeren, noch erwerbstätigen Versicherten einspringen und dazu beitragen, dass der Kuchen etwas länger hält. Dies erfolgt mittels Beiträgen, die vom Lohn abgezogen werden. Übrigens gibt es auch noch andere Faktoren, welche die Grösse der Kuchenstücke beeinflussen, beispielsweise die Altersstruktur und die erwartete Rendite.

Konnte ein Mann 1960 damit rechnen, seinen Ruhestand 13 Jahre lang geniessen zu können, sind es heute bereits 20 Jahre.

Freizügigkeitsleistung

Freizügigkeitsleistung – können Sie dieses Geld frei beziehen? Irgendwann schon. Aber noch nicht heute: Bei der Freizügigkeitsleistung handelt es sich um Ihr bislang angespartes Altersguthaben in der Pensionskasse. Von jedem Monatslohn werden Ihnen Beiträge für die berufliche Vorsorge abgezogen, Ihr Arbeitgeber legt nochmals mindestens denselben Betrag drauf. Vielleicht haben Sie freiwillig zusätzliches Geld eingezahlt («Einkauf») oder von bisherigen Arbeitgebern eingebracht. Ihr Erspartes wird zudem bei der Pensionskasse verzinst. Bei einem allfälligen Stellenwechsel nehmen Sie dieses Geld mit, das Guthaben wird auf die Vorsorgeeinrichtung des neuen Arbeitgebers übertragen. Wer arbeitslos wird oder vorübergehend nicht berufstätig ist, parkiert das Geld auf einem Freizügigkeitskonto. Ein solches kann man bei einer Bank, einer Versicherung oder der Auffangeinrichtung eröffnen. Nur in wenigen Fällen – wie zum Beispiel Selbständigkeit – können Sie sich die Summe auszahlen lassen. Alle anderen müssen bis zur Pensionierung warten.

Koordinationsabzug

Koordinieren heisst abstimmen. Über den Koordinationsabzug werden Leistungen aus der 1. und aus der 2. Säule miteinander abgestimmt. Denn ein Teil Ihres Jahreslohns ist bereits über Leistungen aus der 1. Säule (AHV) abgesichert – aktuell sind das 24‘675 Schweizer Franken. Das entspricht 7/8 der maximalen jährlichen AHV-Altersrente. Für die Berechnung der Pensionskassenbeiträge wird deshalb diese Summe vom Brutto-Jahreslohn abgezogen. Entsprechend niedriger sind Ihre Altersleistungen aus der 2. Säule. Um die ganze Sache noch komplizierter zu machen, gilt diese Regelung für Löhne über 21‘150 Schweizer Franken und bis 84‘600. Was dann übrig bleibt, wird koordinierter Lohn genannt. Wer weniger verdient, muss keine Beiträge zahlen, hat aber auch keine Absicherung durch die 2. Säule. Wer nur knapp über der Eintrittsschwelle von mehr als 21‘150 Schweizer Franken liegt, für den gilt der aufgerundete Betrag von 3‘525 Schweizer Franken pro Jahr als minimal versicherter Lohn. Und wer mehr als 84‘600 Schweizer Franken verdient, muss prüfen, ob seine Pensionskasse auch für diesen Teil des Lohns Leistungen erbringt. Bei Lohnbestandteilen von über 84‘600 Schweizer Franken spricht man vom «Überobligatorium». Dieses muss nicht zwingend versichert sein.

Einkauf

Shoppen macht Spass – auch bei Ihrer Pensionskasse können Sie einkaufen. Erstaunlich viele Menschen haben Beitragslücken in ihrer Vorsorge – weil sie lange studiert, im Ausland gelebt oder eine Babypause eingelegt haben. Vielen ist das gar nicht bewusst. Sogar eine Lohnerhöhung bietet Potenzial, die Versicherungsleistung auch rückwirkend dem neuen Lohn anzupassen. Wer freiwillig zusätzliches Geld einzahlt, kann seine Beitragslücken ausgleichen, die Altersleistung verbessern und gleichzeitig seine Steuerbelastung reduzieren. Denn die Einkaufssumme lässt sich bei der Steuererklärung direkt vom steuerbaren Einkommen abziehen.

BVG-Mindestzinssatz

Laut Gesetz muss jede Pensionskasse ihren Versicherten mindestens 1 Prozent Zins erwirtschaften, das ist der aktuelle BVG-Mindestzinssatz. Je nach Pensionskasse können Versicherte auch von einer höheren Verzinsung profitieren.

Versicherungsrisiken Alter, Invalidität und Tod

Die heutigen Alten sind erstaunlich jung. Das weiss jeder, der an einem sonnigen Herbsttag in den Bergen schon einmal von einem pfeifenden 75-Jährigen schändlich überholt wurde. Weil die alten Menschen heute so fit sind, leben sie auch deutlich länger als ihre Vorfahren. Diese Langlebigkeit ist für den Einzelnen erfreulich. Für das Versichertenkollektiv erweist sie sich aber als finanzielle Herausforderung, weil ein hohes Alter auch mehr Rentenzahlungen bedeutet. Weil der Einzelne seine persönliche Lebenserwartung schlecht voraussehen kann, deckt die berufliche Vorsorge das Risiko der Langlebigkeit über eine Versicherungslösung ab. Auch die anderen beiden Risiken Invalidität und Tod sind von der Pensionskasse abgesichert. Das bedeutet: Sie leistet auch einen finanziellen Beitrag, wenn ein Versicherter vor Erreichen des Rentenalters erwerbsunfähig wird oder gar verstirbt.

Brutto oder Netto?

Stellen Sie sich vor, Sie verdienen laut Arbeitsvertrag 60‘000 Schweizer Franken. Das ist Ihr Brutto-Jahreslohn. Davon werden Ihnen als Angestellter im Rahmen der 1. Säule 5.125 Prozent für AHV/IV und Leistungen aus der Erwerbsersatzordnung (Mutterschaft, Militär usw.), abgezogen, ausserdem 1.1 Prozent für die Arbeitslosenversicherung, insgesamt 3‘735 Schweizer Franken. Ihr Arbeitgeber zahlt nochmals dasselbe ein, so dass ein Gesamtbeitrag von 12.45 Prozent zusammenkommt. Soweit ist noch alles recht überschaubar. Beim BVG wird es komplizierter: Basis ist hier der Lohn nach Koordinationsabzug, der so genannte koordinierte Lohn – siehe Stichwort Koordinationsabzug. In unserem Beispiel würde dieser bei 35‘325 Schweizer Franken liegen. Zahlt ein 35-jähriger Versicherter von dieser Summe beispielsweise 6 Prozent in die Pensionskasse, so wären das 2‘120 Schweizer Franken, das entspricht rund 3.5 Prozent seines Brutto-Einkommens. Sein Arbeitgeber zahlt für ihn übrigens nochmals dieselbe Summe ein. Insgesamt werden also vom Brutto-Einkommen 3‘735 Franken für die erste Säule und 2‘120 Franken für die zweite Säule abgezogen. Übrig bleibt das Netto-Einkommen in Höhe von 54‘145 Schweizer Franken, ungefähr 90 Prozent des Bruttoeinkommens. Und das ist immer noch nicht netto-netto: Denn Sie müssen davon noch Steuern, Krankenversicherung, Miete usw. zahlen.