Mit Leidenschaft und Optimismus: Jungunternehmer starten 2020 durch

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Mit Leidenschaft und Optimismus: Jungunternehmer starten 2020 durch

2020 wurden in der Schweiz so viele Unternehmen neu gegründet wie noch nie. Mit knapp 47’000 Einträgen im schweizerischen Handelsregister ist dies ein Rekordjahr. Wir haben bei drei Gründerinnen und Gründern nachgefragt: Was hat euch mitten in dieser herausfordernden Wirtschaftslage motiviert, mit dem eigenen Geschäft durchzustarten?
Petra Bürgler ist Coiffeuse. Vergangenen Oktober verwirklichte sie mit «Schnittplatz» ihren Traum vom eigenen Salon. Während des Lockdowns im Frühling hatte sie – damals noch als Angestellte – plötzlich sehr viel freie Zeit. Ruhe zum Nachdenken, Raum für neue Perspektiven und Luft zum Atmen, nach sieben Jahren im Hamsterrad. «Die Auszeit hat mich dazu bewegt, mein bisheriges Leben zu überdenken. Ich stellte fest, dass ich mich weiterentwickeln und etwas Neues auf die Beine stellen wollte.» Nachdem sie den Entscheid getroffen hatte, sich selbständig zu machen, öffneten sich plötzlich alle Türen und eine passende Lokalität an zentraler Lage wurde frei.

Die Auszeit im Lockdown hat mich dazu bewegt, mein Leben zu überdenken.


Petra Bürgler
Petra Bürgler setzte voll auf Risiko und investierte den Grossteil ihres Ersparten in ihren Salon. Von Beginn weg konnte die aufgestellte Unternehmerin auf die Unterstützung ihrer bisherigen Kundinnen und Kunden zählen. Dank ihnen lief das Geschäft vom ersten Tag an. Gerade in solch anspruchsvollen Zeiten wünschen sich viele Menschen eine Oase zum Auftanken, eine kleine Auszeit vom Alltag und oftmals auch einfach nur ein offenes Ohr. Ein Besuch beim Coiffeur macht dies möglich. Was hat sich durch die Selbstständigkeit verändert? «Ich arbeite sicher nicht weniger, doch lieber, da es mein eigenes Geschäft ist. Es ist mehr Leidenschaft dabei und ich mache alles selbst», erzählt die Jungunternehmerin. Existenzängste hat sie keine. Sie ist eine Optimistin, bei der das Glas stets halb voll ist.

Chancen nutzen, wenn sie da sind

Wer eröffnet schon mitten im Corona-Herbst 2020 einen Gastronomiebetrieb? Morris Welti ist ein Unternehmer, der Herausforderungen nicht scheut. Bereits nach seinem Abschluss an der Hotelfachschule stellte er sich – zusammen mit seinem Geschäftspartner – der Aufgabe, das Café Plüsch, das damals kurz vor dem Konkurs stand, zu sanieren. Das Duo schaffte es, das Unternehmen in die schwarzen Zahlen zu führen, und übernahm es schliesslich 2018. Die Zusammenarbeit war erfolgreich und so entstand bald die Idee, einen zweiten Betrieb aufzumachen. Im Frühling 2020 ergab sich ganz unverhofft eine Chance: Ein langjährig geplantes Gastroprojekt erhielt endlich grünes Licht, doch die ursprünglichen Betreiber sprangen ab. «So kamen wir zum Zug», erzählt Morris Welti. «Da mussten wir nicht lange überlegen, denn auf diese Gelegenheit hatten wir gewartet. Obwohl das Gebäude noch im Rohbau war, setzten wir unser Konzept innert kürzester Zeit um und eröffneten schliesslich im Oktober das Café Chiffon.» Dem Unternehmer ist bewusst, dass es keine einfache Zeit ist für Gastronomiebetriebe. Er musste damit rechnen, dass er sein Café – zumindest temporär – wieder schliessen muss. Morris Welti sah es als Chance, um Erfahrungen zu sammeln.

Wir haben gewusst, dass es keine einfache Zeit wird, und trotzdem haben wir die Chance ergriffen.


Morris Welti

«Aufgeben ist keine Option»

In den zweieinhalb Monaten, in denen das Café Chiffon vor dem erneuten Lockdown im Herbst seine Türen geöffnet hatte, kamen viele Gäste vorbei. Die Erwartungen der beiden Betreiber wurden gar übertroffen. Für Morris Welti ist klar: «Ohne Corona wäre das Lokal bestimmt noch besser gelaufen, doch so hatten wir mehr Spielraum, um uns zu etablieren und Prozesse zu überdenken. Natürlich hoffe ich, dass wir bald wieder unter einigermassen normalen Bedingungen arbeiten können.» Auch wenn dies momentan nicht so aussieht: Aufgeben ist für Morris Welti keine Option. Die Gastronomie ist seine Leidenschaft. Für den Unternehmer gibt es nichts Cooleres, als sein eigenes Café zu führen. Der lösungsorientierte Macher arbeitet zurzeit an einem Take-away-Konzept, das etwas krisenresistenter ist.

«Glücksfall» Jobverlust

Wie Selbstständigkeit mit zwei kleinen Kindern funktionieren kann, erzählt Susanne Vital. Die gelernte Floristin war über 20 Jahre in ihrem Beruf tätig. Anfangs 2020 wollte sie nach der Mutterschaftspause in ihren alten Job zurückkehren – doch aus der in Aussicht gestellten Anstellung wurde nichts. Kurzerhand beschloss die junge Mutter, das Abenteuer Selbstständigkeit zu wagen. Schon länger hatte sie mit diesem Gedanken gespielt. Gleichzeitig begann sie mit einer Online-Ausbildung zur Interior Designerin. «Im Nachhinein betrachtet, war es ein Glücksfall, dass es mit der Anstellung nicht funktionierte», erzählt Susanne Vital. «Da ich jetzt zuhause arbeite, kann ich meine jüngere Tochter selbst betreuen, statt sie in die Krippe zu bringen. Beruf und Familie lassen sich so viel besser vereinbaren.» Ohne Laden oder Werkstatt ist sie örtlich ungebunden und flexibel. Sie arbeitet, wann es ihr passt – ob am Abend, am Wochenende oder über Mittag.

Da ich jetzt zuhause arbeite, kann ich Beruf und Familie viel besser vereinbaren.


Susanne Vital

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Sich kreativ auszuleben, war schon immer die Leidenschaft von Susanne Vital. Die Geschäftsidee ihres Unternehmens «Prime Living»: Wohnberatung kombiniert mit einem Online-Shop für Dekoration. Momentan verbringen die meisten Menschen viel Zeit zu Hause. Die Trennung zwischen Privatleben und Home-Office fällt zunehmend schwerer. «Oftmals reichen kleine dekorative Veränderungen aus, um das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden zu verbessern», betont die Interior Designerin aus Stallikon ZH. Susanne Vital weiss, dass sie sich in einer komfortablen Situation befindet, da die Festanstellung ihres Mannes für finanzielle Stabilität sorgt. So kann sie sich die nötige Zeit nehmen, um ihr Geschäft aufzubauen.

Morris Welti, Café Chiffon

Morris Welti

Morris Welti betreibt seit Oktober 2020 das Café Chiffon auf dem Florhof-Areal in Zürich.

Susanne Vital, Prime Living Wohndesign & Blumen

Susanne Vital

Susanne Vital bietet mit Prime Living seit November 2020 Wohnberatung und Dekoration an.

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