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Unsere nächste Schweiz – Die Schweiz 2050

Was erwartet uns in den kommenden 25 Jahren – und womit sollten wir uns beschäftigen?
Seit jeher sind die Menschen von ihrer Zukunft fasziniert: Ihre individuellen Zukunftsfragen sind untrennbar verknüpft mit einem grösseren gesellschaftlichen Kontext und mit demographischen Entwicklungen.
Die Schweiz 2050

Die Schweiz 2050: Konkrete Zahlen

Demografische Veränderungen sind verlässlich vorhersehbar. Ihre zentralen Parameter – Lebenserwartung und Geburtenraten – verändern sich im Zeitverlauf nur langsam. Entsprechend lässt sich erstaunlich genau vorhersagen, wie sich die Schweiz bis 2050 entwickeln wird, auch im Vergleich zu ihrem europäischen oder globalen Umfeld.

Das seit 1975 anhaltende jährliche Bevölkerungswachstum von rund 1 Prozent wird sich in den kommenden 25 Jahren abschwächen. Aber noch bedeutsamer: Die Zusammensetzung der Altersgruppen wird bis 2050 nie zuvor da gewesene Verschiebungen durchlaufen. Gab es früher vor allem viele junge Menschen, ist mittlerweile die grösste Bevölkerungsgruppe im mittleren Alter und durch die steigende Lebenserwartung gibt es auch deutlich mehr alte und sehr alte Menschen. Grafisch gesprochen, sieht die Verteilung der Altersgruppen nicht mehr aus wie eine «Pyramide», sondern eher wie eine «Urne».

Unter der Annahme anhaltend niedriger Geburtenraten, weiter steigender Lebenserwartung und einer moderat anhaltenden Migration überwiegend junger, arbeitsfähiger Menschen ist für die Schweiz bis 2050 Folgendes zu erwarten:

Bevölkerungsstruktur im Vergleich
Bevölkerungsstruktur im Vergleich
  • Die Gruppe der Kinder (0-14 Jahre) nimmt um 37 Prozent oder rund 500’000 ab! Dies entspricht fast der Einwohnerzahl des Kantons Genf.
  • Die Gruppe der potentiell Erwerbsfähigen (15-64 Jahre) reduziert sich um 12 Prozent oder mehr als 700’000 – etwa viermal die Stadt Bern.
  • Die Gruppe der aktiven Rentner (65-79 Jahre) nimmt um 33 Prozent oder 410’000 zu – das entspricht der Stadt Zürich.
  • Die Gruppe der Hochbetagten (80+ Jahre) explodiert um 122 Prozent oder 620’000 – mehr als dreimal die Stadt Basel – mit massiven Auswirkungen auf Gesundheits- und Pflegekapazitäten.

Warum Wegschauen keine Option ist

Dies sind demografische Tatsachen, die viele ausblenden – bewusst oder unbewusst. Doch es stellen sich zentrale Fragen:

  • Warum ist Abwarten keine Option?
  • Was müssen wir wissen?
  • Wie sollten wir handeln und uns vorbereiten?

Von der Pyramide zur Urne

Unsere gegenwärtigen Versorgungssysteme und damit unsere gesellschaftliche Stabilität basieren auf Regeln, die unter den Bedingungen einer «Bevölkerungspyramide» nachhaltig und resilient sind. Aber «viele Junge und wenige Alte» ist nicht mehr die Schweiz im Jahr 2050.

Die Zukunft ist eine Schweiz mit immer weniger Jungen und immer mehr Menschen im vorgeschrittenen Alter – eine «Bevölkerungsurne» also. Unter diesen demografischen Bedingungen müssen wir unsere Zukunft neu gestalten – wirtschaftlich, sozial und kulturell.

Unsere gemeinsamen Herausforderungen

Bei den nächsten Beiträgen der Serie «Unsere nächste Schweiz» werden wir uns mit folgenden Themen beschäftigen:

  • Demografischer Wandel in der Schweiz: 26 Kantone und ihre Unterschiede
  • Neugestaltung des Erwerbslebens und der Arbeitswelt
  • Produktivitätssteigerung trotz schrumpfender Erwerbsbevölkerung
  • Gesund alt werden – präventive Gesundheitsstrategien
  • Ein demografietauglicher Generationenvertrag
  • Innovative Wachstumsmodelle in der Wirtschaft
  • Nachhaltige Vermögensbildung und Wohlstandssicherung
  • Verlässliche und effiziente öffentliche Infrastrukturen

Diese Herausforderungen gehen uns alle an – als Einzelpersonen, als Gesellschaft und als Unternehmende. Gemeinsam können wir Lösungen entwickeln, die eine prosperierende und nachhaltige Zukunft für die Schweiz möglich machen.

Zum Autor

Dr. med. Hans Groth, MBA, ist Vorsitzender des Vorstands des World Demographic & Ageing Forum (WDA Forum).

Dieser Think Tank wurde 2002 in St. Gallen gegründet. Von 2009 bis 2020 war er Gastdozent an der Universität St. Gallen (HSG) in der Schweiz zum Thema «Megatrend: Globaler demografischer Wandel» und von 2009 bis 2015 war er Mitglied des Global Agenda Council des World Economic Forum (WEF). Er ist Mitherausgeber zahlreicher Fachbücher. 2026 erscheinen «The New Age of Depopulation», AEI Publisher, Washington/DC, und «Financial Demography», Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart.

Mehr Informationen www.wdaforum.org

Dr. med. Hans Groth, MBA

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