
2024 waren gemäss Statistik der Invalidenversicherung 50 Prozent der neuen IV-Renten auf psychische Ursachen zurückzuführen, bei Menschen unter 30 Jahren ist es sogar die grosse Mehrheit. Dahinter steckt ein Phänomen, das die gesamte Gesellschaft betrifft: Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen sind längst keine Ausnahme mehr – jede zweite Person in der Schweiz erkrankt im Laufe ihres Lebens psychisch. Damit setzt sich beim Thema psychische Gesundheit eine Entwicklung fort, die sich seit einigen Jahren abzeichnet.
Früherkennung und professionelle Unterstützung: Der Schlüssel zum Erfolg
Bei psychischen Erkrankungen gibt es gute Chancen, dass die betroffene Person an den Arbeitsplatz zurückkehren oder eine neue Aufgabe wahrnehmen kann. Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr ins Berufsleben am grössten, wenn spätestens nach 30 Arbeitstagen die Meldung erfolgt. Sobald sich eine längere Arbeitsunfähigkeit abzeichnet, ist es wichtig, die Versicherung so schnell wie möglich einzubeziehen, denn sie kann mit ihrer Expertise unterstützen. Es ist also zentral, dass Arbeitgebende und Mitarbeitende frühzeitig aktiv werden. Auch die Invaliditätsversicherung (IV) setzt vermehrt auf Eingliederung statt Rente.
Gemeinsam zurück ins Berufsleben
Früherkennung lohnt sich. Betriebliches Gesundheitsmanagement und externe Beratungsangebote unterstützen und schulen Arbeitgebende dabei, Warnsymptome früh zu erkennen und betroffene Mitarbeitende gezielt zu unterstützen. Kommt es doch zu einer Arbeitsunfähigkeit, unterstützt das Case Management Arbeitgebende und ihre Mitarbeitenden persönlich vor Ort, um den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag möglichst reibungslos zu organisieren. Dazu werden individuelle Wiedereingliederungspläne entwickelt, welche die Anforderungen des Unternehmens und die gesundheitliche Situation der Mitarbeitenden berücksichtigen. Für eine erfolgreiche Rückkehr koordiniert der Case Manager mit medizinischen Dienstleistern, Stellen der Invalidenversicherung oder Behörden und vermittelt Partner sowie Fachstellen. Die betroffene Person erfährt Wertschätzung und Unterstützung bei der Rückkehr in den Beruf. Es eröffnen sich neue Perspektiven, die den Wiedereingliederungsprozess fördern und das Selbstwertgefühl stärken.
Eine gelungene Reintegration und der Erhalt des Arbeitsplatzes bringen auch für Unternehmen Vorteile, da sich die Kosten krankheitsbedingter Absenzen deutlich reduzieren können und eine bewährte Fachkraft erhalten bleibt. Wer frühzeitig Unterstützung sucht und das Case Management einschaltet, fördert die Genesung und kann langfristigen Ausfällen entgegenwirken. Dies trägt dazu bei, wertvolles Know-how betroffener Personen dem Betrieb zu erhalten.
Das können Sie als Unternehmen konkret tun
- Eine Kultur schaffen, in der Gesundheit zählt: Ein gutes Betriebsklima, Wertschätzung und faire Entwicklungsmöglichkeiten sind das Fundament, um psychischen Belastungen entgegenzuwirken. Offenheit, Verständnis und rechtzeitige Unterstützung machen den entscheidenden Unterschied.
- Professionelle Hilfe vermitteln: Bei andauerndem Stress oder auffälligen Veränderungen sollten Arbeitgeber nicht abwarten, sondern aktiv auf die Betroffenen zugehen und frühzeitige Unterstützung durch Fachleute anbieten – zum Beispiel durch Ärzte, Psychologen oder Coaches.
- Frühzeitig melden und Unterstützung in Anspruch nehmen: Es gibt Fälle, in denen es hilfreich ist, wenn erfahrene Case Manager die Betroffenen auf ihrem Weg zurück ins Arbeitsleben oder zu einer beruflichen Neuorientierung begleiten.
- Flexible Lösungen und Wiedereingliederung: Mit einem individuellen Rückkehrprogramm, Anpassungen im Arbeitsalltag, Coaching für Teams und einer gezielten Koordination mit allen Involvierten gelingt die Wiedereingliederung leichter. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen langfristigen Erfolg.
Was Sie als Mitarbeitende wissen sollten und tun können
- Eigene Bedürfnisse und Grenzen ernst nehmen: Psychische Erkrankungen verlaufen oft wellenförmig – mit guten und schlechten Wochen. Wer früh Symptome erkennt und offen mit Vorgesetzten oder Vertrauenspersonen spricht, kann schneller Hilfe erhalten.
- Hilfsangebote nutzen: Case Management, Selbsthilfegruppen und Betriebsärzte sind wichtige Anlaufstellen. Sie unterstützen und beraten – nicht nur bei der Rückkehr, sondern auch bei beruflicher Neuorientierung.
- Wissen, dass Rückkehr möglich ist: Die IV setzt seit einigen Jahren vermehrt auf die Wiedereingliederung. Viele Betroffene finden mit Zeit, Geduld und Unterstützung zurück zu einem selbstbestimmten und eigenständigen Leben.
- Aktiv mitarbeiten und Geduld haben: Erfahrungen zeigen: Rückkehrprozesse brauchen Zeit und Geduld – für die Betroffenen ebenso wie für Teams und Führungskräfte. Ein offener Umgang und das Mitwirken am eigenen Weg fördern den Heilungsprozess.
Individuelle Lösungen: Praxisbeispiele aus dem Alltag
Bei längeren Absenzen wegen Krankheit oder Unfall begleitet das Case Management unserer Versicherungspartnerin Zurich Schweiz Unternehmen und Mitarbeitende persönlich, vom ersten Tag an bis zur Rückkehr oder Neuorientierung. Dabei stehen individuelle Lösungen, Empathie und eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten, Behörden und weiteren Partnern im Fokus. Geschichten aus dem Leben:
- Der Burnout ist für eine IT-Spezialistin der entscheidende Wendepunkt
In einem IT-Unternehmen erleidet die Geschäftsführerin einen Burnout und fällt für Wochen aus – eine Herausforderung für das ganze Team. Die Zurich-Case-Managerin begleitet sie zurück ins Berufsleben und coacht die Angestellten. Das Resultat: gestärkte Mitarbeitende und ein gestärktes Unternehmen, in dem offen über Belastungssituationen und Lösungen gesprochen wird. - Eine neue Perspektive für einen Forstwart
Ein Mitarbeiter eines Forstbetriebs mit 20 Mitarbeitenden erhält die Diagnose einer Autoimmunkrankheit mit Muskelschwäche. Die Arbeit im Gelände mit der Motorsäge ist nicht mehr möglich. Der Zurich-Case-Manager unterstützt ihn dabei, eine neue Stelle in einer Gärtnerei zu finden – so bleibt er beruflich aktiv und findet neue Erfüllung. - Ein Schreiner mit Angsterkrankung geht ins Büro
Nach einem schweren Autounfall entwickelt ein Schreiner eine Angsterkrankung und ist nicht mehr fähig, mit dem Auto zu Kundenbesuchen zu fahren. Gemeinsam mit Zurich und der IV absolviert er eine kaufmännische Weiterbildung und wechselt ins Büro seiner angestammten Firma. Dort ist er wieder voll arbeitsfähig und bringt sein handwerkliches Wissen in neue Aufgaben ein.
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