
Die Arbeit hat für die meisten Menschen eine grosse Bedeutung: Sie vermittelt finanzielle Sicherheit, Struktur und oft auch Sinnhaftigkeit. 89 Prozent der Schweizer Erwerbstätigen fühlen sich beruflich sicher, so die Sicherheitsstudie 2026 des Forschungsinstituts Sotomo in Zusammenarbeit mit Zurich Schweiz. Doch der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz stellt dieses Sicherheitsgefühl in Frage.
Jeder Dritte glaubt: Ein Teil meiner beruflichen Tätigkeiten ist durch KI ersetzbar
Gemäss der Sicherheitsstudie gehen 31 Prozent der Erwerbstätigen davon aus, dass mindestens die Hälfte ihrer heutigen Arbeit in fünf Jahren durch KI übernommen werden könnte. Bei den Jungen zwischen 18 und 35 Jahren sind es sogar 38 Prozent. Als Digital Natives bringen sie ein ausgeprägtes Gespür für das Potenzial von KI mit, vermuten die Autoren der Studie. Ausserdem befinden sich Jüngere häufig in Jobs für Berufseinsteiger, die möglicherweise leichter durch KI ersetzbar sind, so die Studie.

Künstliche Intelligenz kann von langweiligen Routinearbeiten entlasten, aber auch dazu führen, dass weniger Angestellte benötigt werden. 26 Prozent der Erwerbstätigen haben den Eindruck, dass durch KI die Arbeitslosigkeit in ihrem Berufsfeld im vergangenen Jahr zugenommen hat. Wieder sind die Jüngeren (18 bis 35 Jahre) besonders sensibilisiert: 32 Prozent glauben, dass KI in ihrem Berufsfeld einen Anstieg der Arbeitslosigkeit verursacht hat.

Jüngere sorgen sich wegen KI etwas häufiger um ihren Arbeitsplatz
Entsprechend ist es nicht überraschend, dass sich vier von zehn Erwerbstätigen leichte (31%) oder grosse (7%) Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes machen. Die 18- bis 35-Jährigen (42%) machen sich etwas mehr Sorgen als die 36- bis 50-Jährigen (36%).
Arbeitgebende: Sorgen rund um KI ernst nehmen und aktiv werden
Diese Resultate haben hohe Relevanz für Arbeitgebende: Die Sorgen der Mitarbeitenden gegenüber KI sind ernst zu nehmen. Einerseits können sie das Wohlbefinden der Angestellten beeinträchtigen, Stress verursachen und ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen sein. Hier ist es enorm wichtig, psychische Sicherheit zu schaffen durch Transparenz und Wertschätzung.
Andererseits kann die Erwartung, dass die eigene Arbeit früher oder später durch KI ersetzt wird, die Leistungsfähigkeit und die Loyalität der Mitarbeitenden beeinträchtigen. Gerade gute Kräfte könnten sich «innerlich verabschieden» und nach neuen Perspektiven umschauen. Darauf gibt auch die Sicherheitsstudie Hinweise.
KI: Ein Drittel der Jungen denkt über berufliche Neuorientierung nach
Bereits jede fünfte erwerbstätige Person (21 Prozent) hat sich wegen KI Gedanken über eine berufliche Neuorientierung gemacht. Bei den Jungen denken sogar bereits 35 Prozent über eine berufliche Neuorientierung nach. In der Gruppe über 50 sind es hingegen nur 8 Prozent.

Arbeitgeber: neue Jobprofile fürs KI-Zeitalter definieren
Wenn bereits mehr als ein Drittel der Jungen über eine Neuorientierung nachdenkt, aber nicht einmal jeder Zehnte über 50, so lassen beide Zahlen aufhorchen: Die Jungen sind die Zukunft im Unternehmen, sie sind beruflich mobil und haben prinzipiell gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Vorausschauende Arbeitgebende sollten sie auf der Reise in die Zukunft zu Zugpferden machen: Es gilt, ihnen attraktive Perspektiven innerhalb des Unternehmens aufzeigen und gemeinsam mit ihnen attraktive «KI-taugliche» Jobprofile zu entwickeln. So lässt sich die Herausforderung in eine Chance verwandeln – für Mitarbeitende und Firma.
Ebenso bedenkenswert wie die Wechselüberlegungen der Jungen ist die Zurückhaltung der langgedienten Arbeitskräfte: Viele von ihnen unterschätzten vermutlich das Disruptionspotenzial von KI. Falls sie sich der neuen Technologie verweigern, drohen sie im Abseits zu landen. Gleichzeitig verfügen die Älteren als oftmals langgediente Kräfte über grosses Wissen. Ausserdem widerspiegeln sie die Gefühle des wachsenden älteren Kundensegments. Hier ist es wichtig, Berührungsängste abzubauen, die Älteren mitzunehmen in der digitalen Transformation und ihnen KI als wertvolle Ergänzung zu ihrer menschlichen Expertise und Empathie zu vermitteln.
Aktives Handeln empfiehlt sich auch aus unternehmerischer Perspektive, denn die Sicherheitsstudie deutet darauf hin, dass aus Angst vor Unsicherheit viele Menschen «am Job kleben bleiben», selbst wenn sie keine Freude mehr daran haben.
Künstliche Intelligenz verunsichert, da die Auswirkungen auf die persönlichen Jobaussichten noch schwer abzusehen sind.
Sicherheitsstudie 2026
Die Hälfte ist schon einmal trotz Unzufriedenheit im Job geblieben
«Künstliche Intelligenz verunsichert, da die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die persönlichen Jobaussichten noch schwer abzusehen sind», heisst es in der Sicherheitsstudie. Tatsächlich hat die Hälfte der Erwerbstätigen (52 Prozent) bereits einmal aus Sorge vor finanzieller Unsicherheit an einem Arbeitsverhältnis festgehalten, obwohl sie unglücklich waren. Rund ein Viertel tat dies sogar über längere Zeit. Dies unterstreicht die zentrale Bedeutung finanzieller Sicherheit.
Sorge um den Lebensstandard im Alter
Obwohl finanzielle Sicherheit so wichtig für die Menschen ist, glaubt nur die Hälfte der Erwerbsbevölkerung (53 Prozent), dass sie ihren Lebensstandard im Alter halten kann. Die heutigen Pensionierten zeichnen ein deutlich positiveres Bild: Drei Viertel von ihnen (75 Prozent) konnten seit der Pensionierung ihren Lebensstandard halten. Die aktuell Erwerbstätigen sehen ihre finanzielle Zukunft also deutlich pessimistischer als die Pensionierten ihre finanzielle Gegenwart.

Krankheit und Unfall als grösstes Risiko für Altersvorsorge befürchtet
Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen sieht Krankheit und Unfall als Risiko für die eigene Altersvorsorge (52 Prozent). Ebenfalls weit verbreitet sind Sorgen über die Inflation und Phasen der Erwerbslosigkeit, die jeweils ungefähr jede dritte Person als Risiko einstuft. Und rund ein Fünftel betrachtet einen Börsencrash als grosses Risiko für ihre Altersvorsorge. Die Bilanz der Pensionierten fällt anders aus: Am häufigsten hat eine Trennung oder Scheidung die Altersvorsorge beeinträchtigt (22 Prozent), gefolgt von Krankheit und Unfall (17 Prozent). Mehr als ein Drittel der Pensionierten hat keine nennenswerte Beeinträchtigung erlebt, bei den Erwerbstätigen erwarten das nur 9 Prozent. «Die Sorgen der Erwerbstätigen fallen also deutlich grösser aus als die tatsächlich erlebten Beeinträchtigungen der heutigen Pensionierten», kommentieren die Autoren der Sicherheitsstudie.
Für Arbeitgebende: Sorgen ernst nehmen und über Vorsorgerisiken aufklären
Die aktuellen Erwerbstätigen schätzen ihre finanziellen Zukunftsaussichten bei der Vorsorge eher düster ein. Sie fürchten einen Verlust ihres gewohnten Lebensstandards, sorgen sich um Erwerbsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit. Dies ist einerseits ein weiterer Stressfaktor in einer zunehmend unvorhersehbaren Welt.
Andererseits ist dies eine klare Steilvorlage für Arbeitgebende, ihre Mitarbeitenden verstärkt aufzuklären. Ein wertvolles Werkzeug dafür ist eine Personalorientierung in Zusammenarbeit mit der Pensionskasse: Dort verdeutlichen Expertinnen und Experten die Leistungen der beruflichen Vorsorge und zeigen die Bedeutung der privaten Vorsorge in der 3. Säule auf. Dies schafft Sicherheit und Handlungsoptionen. Interessierte Mitarbeitende können sich anschliessend individuell weiterberaten lassen und potenzielle Vorsorgelücken schliessen, zum Beispiel im Bereich Erwerbsunfähigkeit. Die Sammelstiftung Vita bietet gemeinsam mit ihrer Partnerin Zurich die Personalorientierung «Vita Mobil» an, die genau diese Dienstleistung erbringt.




